HypertonieNur Darmkrebspatienten zeigen ein erhöhtes Risiko für Tumorrezidive

Beatrice Hamberger

Obwohl Bluthochdruck bei vielen Krebserkrankungen keine Rolle für das Rückfallrisiko spielt, zeigt eine aktuelle Analyse: Beim kolorektalen Karzinom könnte Hypertonie die Rezidivwahrscheinlichkeit messbar erhöhen.

Eine Person misst ihren Blutdruck mit einem elektronischen Handgelenk-Blutdruckmessgerät.
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Regelmäßige Blutdruckmessungen können für Darmkrebspatienten entscheidend sein – Studien zeigen ein erhöhtes Rezidivrisiko bei Hypertonie.

Während eine beachtliche Zahl an Krebspatienten an Hypertonie leidet – oft krankheits-, aber auch altersbedingt – verdichten sich die Hinweise auf gemeinsame biologische Grundlagen zwischen Herz-Kreislauf- und Krebserkrankungen. Dennoch ist der Einfluss des Bluthochdrucks auf ein Krebsrezidiv bislang nur unzureichend verstanden. 

Bluthochdruck als potenzieller Risikofaktor

Um mögliche Zusammenhänge aufzudecken, hat ein japanisches Forscherteam nun eine systematische Übersichtsarbeit durchgeführt. Ihr Fokus lag auf soliden Tumoren. Eingeflossen in die Meta-Analyse sind 13 Beobachtungsstudien mit insgesamt 50.549 Patienten, die bereits eine initiale Behandlung solider Tumoren abgeschlossen hatten. Der primäre Endpunkt war das Rezidivrisiko bei Personen mit Hypertonie im Vergleich zu Personen mit normalen Blutdruckwerten, bewertet anhand von Hazard Ratios (HR), die mithilfe eines Random-Effects-Modells gepoolt wurden.

Hypertonie häufig, aber selten klinisch relevant für Rezidive

Die Analyse ergab, dass Hypertonie über alle Krebsarten hinweg nicht mit einem höheren Rückfallrisiko assoziiert war. Zwar errechneten die Studienautoren im Gesamtkollektiv ein um 9% höheres relatives Risiko ein Rezidiv zu erleiden, wenn die Krebspatienten an Hypertonie litten; statistisch signifikant war der Unterschied im Vergleich zu den normotensiven Studienteilnehmern allerdings nicht (Hazard Ratio [HR]: 1,09; 95%-Konfidenzintervall [95%-KI] 0,97–1,22; I² = 49%).

Nur bei Darmkrebs zeigt sich ein signifikanter Zusammenhang 

Eine zusätzliche Analyse nach Tumorentitäten bestätigte diesen Befund etwa für Brust- und Prostatakrebs, zeigte aber auch eine Ausnahme: Patienten mit Darmkrebs (kolorektalem Karzinom) erlitten häufiger ein Rezidiv, wenn sie unter Bluthochdruck litten (HR: 1,18; 95%-KI: 1,02–1,36; I² = 27%). Der Unterschied waren zwar auch in dieser Subgruppe relativ gering, aber eben doch statistisch signifikant. Hypertonie scheint demnach das Risiko speziell für ein Darmkrebs-Rezidiv zu erhöhen. 

Fazit

Die Studie beantwortet nicht das Warum und Wieso, sondern zeigt lediglich eine Korrelation auf. Aus ihren Ergebnissen leiten die Studienautoren am Ende dennoch eine einfach umzusetzende Empfehlung ab: Demnach sollte die Blutdruckkontrolle zumindest bei Darmkrebs-Patienten ein wesentlicher Bestandteil der Langzeit-Nachsorge sein.

Quelle: Okazaki Y et al. Hypertens Res 2025 Nov 07. DOI: 10.1038/s41440-025-02431-5