
Jährlich führen Übergewicht und Adipositas zu 1,7 Millionen vorzeitigen Todesfällen weltweit durch nicht übertragbare Krankheiten – dazu zählen auch Fettlebererkrankungen (Steatotische Lebererkrankungen, SLD). In Deutschland sind rund zwei Drittel der Männer (67 Prozent) und etwa die Hälfte der Frauen (53 Prozent) übergewichtig. Etwa ein Viertel der Erwachsenen ist stark übergewichtig (adipös) – 23 Prozent der Männer und 24 Prozent der Frauen. Die Prävalenz von Adipositas steigt mit zunehmendem Alter. Auch bei Kindern und Jugendlichen nimmt Übergewicht zu: Nach den Daten der „Studie für die Gesundheit der Kinder und Jugendlichen in Deutschland“ (KiGGS) des Robert Koch-Instituts sind rund 15 Prozent der 3- bis 17-Jährigen übergewichtig, davon etwa 6 Prozent adipös.
Fettleber als unterschätzte Folge des Übergewichts
Die Fettlebererkrankung ist eine der häufigsten Folgeerkrankungen von Adipositas und häufig Teil des Metabolischen Syndroms, das das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Diabetes und Leberzirrhose deutlich erhöht. Diese Form wird als Metabolisch dysfunktions-assoziierte Steatotische Lebererkrankung (MASLD) bezeichnet. Führt die Erkrankung zu Entzündungen in der Leber, spricht man von einer Metabolisch dysfunktions-assoziierten Steatohepatitis (MASH), die sich sogar zu einem Hepatozellulären Karzinom (HCC) entwickeln kann – oft schon, bevor eine Zirrhose entsteht. Der Beginn einer MASLD verläuft meist asymptomatisch, sodass die Erkrankung über Jahre unbemerkt bleiben kann. Gleichzeitig bietet dies ein großes Zeitfenster, um die Krankheit frühzeitig zu erkennen und therapeutisch zu behandeln.
Aktuelle Entwicklungen: Medikamentöse Therapieansätze machen Fortschritte
In Forschung und klinischer Anwendung gibt es aktuell wichtige Fortschritte. Eine Analyse aus dem Oktober 2025 zeigt, dass die Forschung im Bereich Fettlebererkrankungen weltweit stark zunimmt. So zeigen GLP-1-Medikamente, die ursprünglich zur Gewichtsreduktion und Diabetes-Therapie eingesetzt wurden, auch positive Effekte auf Fettleber und MASH, indem sie Entzündungen und Fettansammlungen in der Leber reduzieren. Solche Wirkstoffe werden inzwischen gezielt in Studien zur Fettlebererkrankung untersucht; Zulassungen für Lebererkrankungen werden geprüft.
Zudem zeigen neue Substanzen wie Resmetirom, die direkt auf die Leber wirken, vielversprechende Verbesserungen und könnten künftig als Therapieoption zur Verfügung stehen. „Trotz aller neuen Therapieansätze zeigen aktuelle Studien weiterhin: Lebensstilmaßnahmen wie ausgewogene Ernährung, regelmäßige Bewegung und Gewichtskontrolle sind entscheidend für die Prävention und Reversibilität von Leberverfettung und Stoffwechselstörungen – manchmal sogar unabhängig von Medikamenten“, betont Prof. Dr. Heiner Wedemeyer, Vorstandsvorsitzender der Deutschen Leberstiftung.
Warum Aufklärung über Ernährung zentral für die Prävention bleibt
In Deutschland ist das Bewusstsein für gesunde Ernährung noch unzureichend ausgeprägt. Viele Menschen wissen zu wenig über die Bedeutung einer lebergesunden Ernährung und die Folgen von zu viel Zucker oder Fertigprodukten für die Lebergesundheit. Eine aktuelle Analyse des gemeinnützigen Vereins Foodwatch e. V. zeigt, dass Menschen in Deutschland täglich fast 26 Gramm Zucker allein durch Getränke zu sich nehmen – mehr als doppelt so viel wie Italiener. Kein anderes westeuropäisches Land liegt beim Zuckerkonsum durch Limonaden und Fruchtsäfte so weit vorn.
Für die Lebergesundheit ist eine ausgewogene und vollwertige Ernährung entscheidend. Empfehlenswert sind kohlenhydratarme Mahlzeiten mit frischen, natürlichen Lebensmitteln, insbesondere frischem Gemüse, ergänzt durch Hülsenfrüchte und Vollkornprodukte. Gesunde Fette wie Omega-3-Fettsäuren aus pflanzlichen Ölen sollten bevorzugt werden, während auf Fertigprodukte, fettes Fleisch und Alkohol weitgehend verzichtet werden sollte. Auch beim Obst ist Vorsicht geboten: Zuckerarme Sorten sind vorzuziehen, und Obst sollte gegessen, nicht getrunken werden. Die vermeintlich gesunden Smoothies enthalten oft deutlich mehr Fruktose als der Verzehr von rohem Obst und belasten damit die Leber zusätzlich.
Quelle: Deutsche Leberstiftung

