
Denn gerade bei komplexen und risikoreichen Eingriffen kommt es neben dem erfolgreichen Eingriff auch auf das Beherrschen der Komplikationen an, die danach auftreten können. Diese Zahl gibt die sogenannte Failure-to-Rescue-Rate wieder: Sie besagt, dass eine lebensbedrohliche Komplikation nicht rechtzeitig erkannt oder nicht adäquat behandelt wurde und im schlechtesten Fall zum Tod geführt hat (FTR= Rettungsversagen).
In spezialisierten Zentren mit hohen Fallzahlen ist die FTR-Rate nachgewiesenermaßen niedriger und damit die Überlebenswahrscheinlichkeit höher ist [1–5]. Die Deutsche Gesellschaft für Chirurgie (DGCH) spricht sich deshalb dafür aus, dass Krankenhäuser zur Erhöhung der Transparenz die FTR auch in ihren Qualitätsberichten ausweisen. Gleichzeitig unterstützt die Fachgesellschaft weiterhin die Infrastrukturvorgaben (Zentrumsbildung) im Rahmen der geplanten Krankenhausstrukturreform. Das Motto „Sichere Chirurgie für alle“ des diesjährigen 142. Deutschen Chirurgie Kongress (DCK 2025) trägt diesen Forderungen Rechnung.
Erst vor Kurzem hat der Gemeinsamen Bundesausschuss Mindestmengen bei der chirurgischen Behandlung des Kolon- und Rektumkarzinoms festgelegt, und den Operationen- und Prozedurenschlüssel entsprechend angepasst.
Gerade gastroenterologische Eingriffe sind häufig komplexer Natur
Unerwartete Blutungen, innere Wundheilungsstörungen, Infektionen, Nierenversagen, Sepsis und Schock: Nicht alle Komplikationen lassen sich vermeiden. Dies gilt vor allem bei komplexen chirurgischen Eingriffen: „Das sind Operationen an der Bauchspeicheldrüse, Speiseröhre oder Leber. Auch Bauchaortenaneurysmen, Aortendissektionen, Polytraumata oder Transplantationen gehören dazu“, erklärt Prof. Christiane Bruns, 1. Vize-Präsidentin der DGCH. „Hier ist entscheidend, wie schnell und effektiv darauf reagiert wird", sagt Bruns, Direktorin der Klinik für Allgemein-, Viszeral-, Thorax- und Transplantationschirurgie an der Uniklinik Köln.
Sie betont: „Die Qualität eines Krankenhauses zeigt sich nicht nur im OP, sondern auch im Komplikationsmanagement. Das kann gerade bei Hochrisiko-Eingriffen über Leben und Tod entscheiden.“ Eine gute Personalausstattung, engmaschige Überwachung, rechtzeitige Intensivtherapie und interdisziplinäre Zusammenarbeit – von einer guten Fehlerkultur getragen – seien für eine niedrige FTR-Rate entscheidend.
Gutes Komplikationsmanagement ist ein wichtiger Qualitätsindikator
Zahlreiche Studien belegen einen Zusammenhang von Leistungsmenge und Behandlungsqualität. Wissenschaftliche Untersuchungen zeigen dabei auch, dass etwa spezialisierte Krebszentren signifikant niedrigere FTR-Raten haben (5). Doch trotz der Empfehlungen etwa des Nationalen Krebsplans werden immer noch über 40 Prozent aller Krebspatienten in nicht zertifizierten Krankenhäusern erstbehandelt.
„Die FTR-Problematik ist ein wichtiger Grund für die Einführung und Diskussion von Mindestmengen in der Chirurgie“, so Bruns. Mindestmengen sollen dazu beitragen, die Versorgungsqualität zu verbessern und FTR-Raten zu senken. „FTR ist messbar, beeinflussbar und damit ein zentraler Ansatzpunkt zur weiteren Senkung der postoperativen Sterblichkeit. Dies sollten wir zur weiteren Verbesserung der Ergebnisqualität nutzen“, sagt Bruns.
Mehr Transparenz: Krankenhäuser sollten ihre FTR-Rate ausweisen
„Komplikationen lassen sich nie ganz vermeiden, aber das Ziel ist, dass kein Patient mehr an einer behandelbaren Komplikation sterben muss“, sagt Prof. Thomas Schmitz-Rixen, Generalsekretär der DGCH. „Patientinnen und Patienten sollte es daher möglich werden, ihre Krankenhauswahl auch an der FTR zu orientieren.“ „Von den Krankenhäusern ist zu fordern, dass sie ihre FTR bei ihren Leistungen ausweisen. Dies ist momentan noch nicht der Fall“, so Schmitz-Rixen.
In der Zwischenzeit könne man sich aber schon über Qualitätsurteile von bestehenden Plattformen, etwa dem bundesweiten Klinikatlas, sowie über Teilaspekte und alternative Qualitätsindikatoren informieren. Dazu gehören Komplikations- und Sterberaten und Personalausstattung. Und er rät: Bei komplexen Eingriffen lohne es sich, ein spezialisiertes Zentrum aufzusuchen – auch wenn der Weg dorthin weiter sei.
Literatur
- Diers J et al. Gastric Cancer 2021; 24: 959–969. DOI: 10.1007/s10120-021-01167-8
- Hendricks A et al. Int J Surg 2021; 86: 24–31. DOI: 10.1016/j.ijsu.2020.12.010
- Vawter K et al. Surgery 2023; 174: 1235–1240. DOI: 10.1016/j.surg.2023.07.023
- Di J et al. Int J Surg 2024; 110: 3021–3029. DOI: 10.1097/JS9.0000000000001185
- Levenson G et al. Surgery 2024;176: 82–92. DOI: 10.1016/j.surg.2024.03.012
- Dtsch Arztebl Int 2023; 120: 647–654; DOI: 10.3238/arztebl.m2023.0169
Quelle: Pressemeldung „Gutes Komplikationsmanagement nach Operationen - Warum die Failure-to-Rescue-Rate im Qualitätsbericht stehen sollte“ vom 19.03.2024, herausgegeben von der Deutschen Gesellschaft für Chirurgie e.V.


