Epigenetische MarkerNabelschnurblut – ein Frühindikator für Stoffwechselerkrankungen?

Stephanie Schikora

Bestimmte epigenetische Veränderungen – wie zum Beispiel DNA-Methylierungsmuster an sogenannten Imprint-Kontrollregionen – lassen sich bereits bei der Geburt im Nabelschnurblut nachweisen. Diese Marker könnten künftig dabei helfen, Kinder mit einem erhöhten Risiko für Stoffwechselerkrankungen wie der metabolisch assoziierten Steatose-Lebererkrankung (MASLD) frühzeitig zu identifizieren – noch bevor erste Symptome auftreten.

Epigenetische Signaturen: Frühwarnzeichen für spätere Stoffwechselstörungen?
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Schon bei der Geburt lassen sich im Nabelschnurblut epigenetische Muster finden, die auf mögliche später im Leben auftretende Stoffwechselerkrankungen verweisen könnten.

„Wir beobachten, dass Kinder immer früher Stoffwechselprobleme entwickeln. Das erhöht ihr Risiko für schwerwiegende Komplikationen im Erwachsenenalter“, erklärte Dr. Ashley Jowell (Durham, North Carolina, USA) am Rande der Digestive Disease Week® (DDW) 2025. „Könnten wir dieses Risiko bereits bei der Geburt erkennen, könnten wir frühzeitig gegensteuern.“

Suche nach entscheidenden Signaturen

Im Rahmen einer Pilotstudie untersuchte das Team um Dr. Jowell 38 Kinder, die an der Newborn Epigenetics Study teilgenommen hatten. Mithilfe eines neu entwickelten genomweiten Imprintom-Arrays analysierten die Forschenden über 1.000 Imprint-Kontrollregionen – Genabschnitte, die eine zentrale Rolle bei der Regulation der Genaktivität während der frühen Entwicklung spielen.

Diese epigenetischen Daten wurden mit klinischen Messwerten verglichen, die im Alter von 7–12 Jahren erhoben wurden. So konnten die Studienautoren mehrere Imprint-Kontrollregionen mit gesundheitlichen, insbesondere metabolischen Problemen Verbindung bringen – angefangen von einem erhöhten Body-Mass-Index (BMI), über eine ungünstige Waist-to-Hip-Ratio bis hin zu erhöhtem Leberfett oder erhöhten Triglycerid-, Alanin-Aminotransferase (ALT)- bzw. Blutdruckwerten. Betroffen waren z.B. Gene wie

  • TN53, das mit Ausprägung von Leberfett, der Waist-to-Hip-Ratio und dem diastolischen Blutdruck assoziiert ist,
  • CSMD1, ein Prognose-Marker für das hepatozelluläre Karzinom (HCC),
  • SNHG14 | SNRPN | SNURF mit einer Assoziation zum Prader-Willi-Syndrom und
  • GNAS, das mit Fettleibigkeit und Insulinresistenz in Verbindung gebracht wird.

Frühe Weichenstellung

„Diese Veränderungen werden wahrscheinlich während der Embryonalentwicklung festgelegt“, sagte Prof. Cynthia Moylan, Durham (North Carolina; USA). „Sie spiegeln möglicherweise frühe Einflüsse wider, die langfristige Gesundheitsrisiken prägen – etwa die Ernährung der Mutter.“ Ließe sich das Ergebnis dies in größeren Studien validieren, könnte dies die Tür zu neuen Screening-Instrumenten und frühen Interventionen für gefährdete Kinder öffnen.

Sollten diese Ergebnisse in größeren Studien bestätigt werden, könnten sie den Weg präventive Maßnahmen ebnen. Ziel wäre es, gefährdete Kinder frühzeitig zu erkennen und durch gezielte Lebensstilinterventionen oder – perspektivisch – durch spezifische Therapien zu unterstützen. Die Studienautoren betonen jedoch, dass die aktuellen Ergebnisse keine direkte Ursache-Wirkungs-Beziehung belegen. Ein weiterer limitierender Faktor sei die geringe Stichprobengröße. Dennoch sehen sie in der weiteren Erforschung entwicklungsbedingter Ursachen von Stoffwechselstörungen – einschließlich MASLD – großes Potenzial. Eine größere, vom National Health Institute finanzierte Folgestudie ist bereits in Planung.

Das Fazit der Forschenden: „Nur weil ein Mensch mit diesen Markern geboren wird, bedeutet das nicht, dass die Krankheit unausweichlich ist. Aber es könnte ein Signal sein, frühzeitig präventiv zu handeln.“

Quelle: Jowell A et al. Identification of imprint control regions associated with clinically significant metabolic dysfunction in children. Digestive Disease Week (DDW) 2025; abstract 324; DDW-Pressemeldung, AASLD-Meeting News