Trainieren gegen den RückfallKrebsnachsorge mit Bewegung: Neue Maßstäbe in der Onkologie

Stephanie Schikora

Nach einer überstandenen Darmkrebserkrankung Sport zu treiben, hat – das belegen aktuelle, auf dem Jahreskongress der American Society of Clinical Oncology (ASCO) vorgestellte Studiendaten – ein enormes präventives Potenzial. Bewegung ist demnach mehr alle eine Intervention zur Verbesserung der Lebensqualität. Sport ist eine Behandlung, die allen Darmkrebspateinten zur Verfügung gestellt werden muss. Um das Potenzial wirklich zu nutzen – und das ist eine wichtige Érkenntnis der Studie – benötigen die Patienten jedoch Unterstützung von (Personal) Trainern, die als Teil des Behandlungsteams fungieren.

Gezielte Bewegung verlängert das Leben von Darmkrebspatienten.
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Gezielte Bewegung verlängert das Leben: In der Sportgruppe lebten nach acht Jahren 90,3 % der Darmkrebspatienten – deutlich mehr als in der Vergleichsgruppe.

Präklinische Studien und Beobachtungsdaten haben immer wieder auf das präventive Potenzial sportlicher Betätigung bei Krebserkrankungen hingewiesen. Obwohl diese Ergebnisse auf einen trainingsbedingten Überlebensvorteil hindeuten, sind die Ergebnisse aufgrund der methodischen Einschränkungen von Beobachtungsstudien nicht eindeutig.

Strukturierte Sportintervention oder bloße Aufklärung?

Um diese Wissenslücke zu füllen, hat die Canadian Cancer Trials Group die CHALLENGE-Studie aufgesetzt – eine Phase-III-Studie, in der sie Patienten nach einer überstandenen Darmkrebserkrankung in 2 Studiengruppen randomisierten. Die eine Hälfte der Patienten versorgten sie mit gesundheitsrelevanten Aufklärungsmaterialien zu Bewegung und Ernährung, die andere Hälfte absolvierten zusätzlich ein 3-jähriges strukturiertes Bewegungsprogramm.

Den insgesamt 889 Studienteilnehmern aus 51 überwiegend kanadischen und australischen Zentren war der Tumor nach der Darmkrebsdiagnose (Stadium II oder III) chirurgisch entfernt worden. Anschließend hatten sie eine adjuvante Chemotherapie erhalten. Insgesamt fanden die Interventionen über einen Zeitraum von 3 Jahren statt. Die Nachbeobachtungszeit lag im Median bei 7,9 Jahren. 

Für das Sportprogramm trafen sich die Patienten über einen Zeitraum von einem Jahr zunächst in einem 14-tägigem Zyklus, um unter dem Coching eines Physiotherapieuten trainierten. Anschließeen fanden weitere 2 Jahre noch monatliche Treffen statt, bei Bedarf konnten zusätzliche Termine zur Unterstützung vereinbart werden. Ziel dabei war eine Steigerung der körperlichen Aktiität um mitndestens 10 metabolische Äquivalente (MET) pro Woche - was etwa einem  2-stündigem forcierten Gehen oder einem. 1,25-stündigem Joggen entspricht.

Coaching scheint ein essenzieller Bestandteil zu sein

Den Studienergebnissen zufolge nahmen die Patienten der Interventionsgruppe in den ersten 6 Monaten 79% der Traininsstunden unter Aufsicht wahr. Die Teilnahme an den freiwilligen Übungen stieg von 30% im ersten halben Jahr auf 54% bis zum Jahresende. Danach jedoch nahm die Motivation der Teilnehmer stetig ab, sodass in den letzten 6 Monaten der 3-jährigen Intervention, nur noch 38% der Patienten der Interventionsgruppe sich freiwillig sportlich betätigten.

Länger leben mit Bewegung

Obwohl die Adhärnz zum Sportprogamm - nicht ganz unerwartet - nicht überwältigend hoch war, lag das 5-jährige, krankheitsfreie Überleben bei der Gruppe, die das strukturierte Bewegungsprogramm absovierten, bei 80,3%. Von den Studienteilnehmern, die nur die Aufklärung erhalten hatten, lebten nach 5 Jahren noch 73,9% ohne Rezidiv – ein signifikanter Unterschied (95%-KI 0,6–12,2).

Vor allem die Häufigkeit von Lebermetastasen (3,6 vs. 6,5%) und neuen Krebserkrankungen (5,2 vs. 9,7%) war deutlich gerniger, wenn die Studienteilnhemer ihre körperliche Aktivität gesteigert hatten. Vorteile für die Patienten der Übungsgruppe zeigten sich auch hinsichtlich des Gesamtüberlebens: Nach 8 Jahren lebten noch 90,3% der Patienten der Interventions- und 83,2% der Patienten der Kontrollgruppe.

„Nach Abschluss der Operation und Chemotherapie kommt es bei etwa 30% der Patienten mit hochriskantem Darmkrebs im Stadium II und III zu einem Rückfall. Als Onkologen wird uns von Patienten häufig die Frage gestellt: ‚Was kann ich noch tun, um meine Prognose zu verbessern?‘ Diese Ergebnisse liefern uns nun eine klare Antwort: Ein Trainingsprogramm mit einem Personal Trainer senkt das Risiko für ein Wiederauftreten oder eine neue Krebserkrankung, sorgt für ein besseres Wohlbefinden und hilft Ihnen, länger zu leben“, so der leitende Studienautor Dr. Christopher Booth, Kingston, Kanada.

Der Schlüssel zum Erfolg scheint das kontinuierliche Bewegungscoaching zu sein. Denn - so berichtete eine Studienteilnemerin - dass jemand neben ihr ging, siebanleitete und regelmäßig nach ihrbschaute, war das, was es möglich machte, eine auf  ihr Bedürfnissen zugeschnittene Fitnessroutne zu etablieren und aufrechtzuerhalten.

Auch das Fazit von Prof. Pamela Kunz, New Haven (Conneticut; USA), ASCO-Expertin für Magen-Darm-Krebs, zur Studie war positiv: „Dies ist die erste randomisierte Phase-III-Studie bei Patienten mit Darmkrebs im Stadium III und im Hochrisikostadium II, die zeigt, dass Bewegung nach der Behandlung sowohl machbar als auch wirksam ist, um das krankheitsfreie Überleben zu verbessern. Bewegung als Intervention ist ein Kinderspiel und sollte breit umgesetzt werden."

Literatur: Courneya KS et al. N Engl J Med.2025 Jun 1. DOI: 10.1056/NEJMoa2502760


Quelle: Pressemeldung „Movement Is Medicine: Structured Exercise Program May Lower Risk Of Cancer Recurrence And Death For Some Colon Cancer Survivors“ vom 01.06.2025, herausgegeben von der American Society of Clinical Oncology (ASCO)