Überraschende EntdeckungZink aktiviert Säureblocker auch ohne Magensäure

Säureblocker vom Typ der Protonenpumpen-Inhibitoren können nicht nur durch Magensäure, sondern auch durch zinktragende Proteine aktiviert werden – und dies ganz ohne die Anwesenheit von Magensäure. Diese Entdeckung wirft ein neues Licht auf mögliche Nebenwirkungen.

Aktivierungsmechanismen von Protonenpumpen-Inhibitoren
mi_viri/stock.adobe.com
Neben der protonenabhängigen Aktivierung von PPIs haben Forscher jetzt mit einer Aktivierung durch Zink einen alternativen Aktivierungsmechanismus entdeckt. Können damit mögliche Nebenwirkungen erklärt werden?

Ein Zuviel an Magensäure kann Sodbrennen verursachen, aber auch chronische Beschwerden, etwa eine Magenschleimhautentzündung oder gar ein Magengeschwür. Gegensteuern lässt sich mit der Verscheibung eines Protonenpumpeninhibitors (PPI), wie Pantoprazol, Omeprazol oder Rabeprazol. Diese Säureblocker binden und blockieren die Protonenpumt in den Belegzellen des Magens und reduzieren so die Magensäureproduktion effektiv.

Bekannter Mechanismus kann potenzielle Nebenwirkungen nicht erklären

PPIs sind sogenannte Prodrugs, d.h. sie werden als inaktive Vorstufe eingenommen. Ihre Aktivierung zum eigentlichen Wirkstoff wird durch Protonen angestoßen. Die Anwesenheit vieler Protonen ist das Kennzeichen einer Säure. Die Protonenpumpe in der Darmwand liefert die Protonen für die Ansäuerung der Magenflüssigkeit. Da in der unmittelbaren Umgebung der Protonenpumpe eine besonders hohe Konzentration an Protonen herrscht, werden die PPIs vor Ort aktiviert. Die protonenabhängige Aktivierung sorgt dafür, dass PPIs praktisch nur die Protonenpumpe angreifen und lahmlegen, so zumindest die bisherige Lehrmeinung.

Auch wenn die vorübergehende Einnahme von PPIs in aller Regel sehr gut verträglich ist und als unbedenklich gilt, birgt die langjährige Einnahme gesundheitliche Risiken. Unter anderem wird ein möglicherweise erhöhtes Risiko für Herzinfarkte, Schlaganfälle, Demenz und Infektanfälligkeit diskutiert. Deshalb stellt sich die Frage, ob PPIs auch außerhalb des Magens aktiviert werden und andere Proteine beeinflussen, also unabhängig von einer Umgebung mit hoher Protonen-Konzentration.

Säureunabhängig Aktivierung der PPIs durch Zink 

Forschende um den Biochemiker Prof. Tobias Dick und den Chemiker Dr. Aubry Miller, beide am Deutschen Krebsforschungszentrum, Heidelberg, haben sich dieser Frage gemeinsam angenommen. Sie nutzten die sogenannte Click-Chemie, eine Strategie zur Markierung von Molekülen, die vor 3 Jahren mit dem Nobelpreis ausgezeichnet wurde. Sie verfolgten damit den Wirkstoff Rabeprazol in menschlichen Zellen in der Kulturschale, abseits eines sauren Milieus.

Dabei machte das Team eine überraschende Beobachtung: Der PPI wurde im pH-neutralen Inneren der Zellen aktiviert und verband sich dort mit Duzenden von Proteinen. Die weitere Analyse zeigte, dass es sich dabei um Zink bindende Proteine handelt. „Das hat uns zu der Hypothese geführt, dass an Protein gebundenes Zink zu einer Aktivierung von PPIs führen kann, ganz unabhängig von der Anwesenheit von Protonen“, erklärt die Biologin Teresa Marker, Erstautorin der Publikation.

Die Forschenden konnten im Verlauf weiterer Untersuchungen zeigen, dass proteingebundenes Zink tatsächlich mit dem PPI eine chemische Bindung eingeht, die dann zur Aktivierung des PPI führt. Der aktivierte PPI ist hochreaktiv und verbindet sich an Ort und Stelle mit dem Zink tragenden Protein. Das wiederum stört Struktur und Funktion des angegriffenen Proteins. „Aus chemischer Sicht macht dieses Ergebnis Sinn, denn Zink kann die Wirkung von Protonen nachahmen und sich wie eine Säure verhalten“, erklärt Miller.

Proteine mit Funktionen im Immunsystem sind besonders betroffen

Unter den Zink tragenden Proteinen, die am stärksten durch den PPI angegriffen wurden, haben einige eine Funktion im Immunsystem. Ob der neu entdeckte Aktivierungsmechanismus mit den bekannten oder vermuteten Nebenwirkungen von PPIs in Verbindung steht, muss aber erst noch in weiteren Studien untersucht werden. „Diese Ergebnisse eröffnen neue Perspektiven, um die Nebenwirkungen von PPIs besser zu verstehen“, resümiert Dick.

Literatur:  Marker T et al. Nat Chem 2025 Feb 20. DOI: 10.1038/s41557-025-01745-8