
Die Therapie der Zöliakie (CeD) basiert weiterhin auf einer strikt glutenfreien Diät (GFD). Viele Betroffene berichten von erheblicher Angst vor unbeabsichtigtem Glutenkontakt – auch durch intime Berührungen wie das Küssen ihres nicht erkrankten Partners. Belastbare Daten zu dieser Sorge fehlten bislang.
Studiendesign mit definierter Glutenlast
Eine US-amerikanische Arbeitsgruppe um Anne R. Lee untersuchte prospektiv den Glutentransfer beim Küssen in Zöliakie diskordanten Paaren. Der Abstract der Studie wurde letztes Jahr bereits auf der Digestive Disease Week vorgestellt (wir hatten berichtet).
Der nicht betroffene Partner verzehrte zunächst eine standardisierte Glutenlast aus 10 Crackern (entsprechend 59.107 ppm bzw. 590 mg Gluten). In 2 Protokollen küsste er anschließend den Partner mit Zöliakie: Im ersten Protokoll erfolgte der Kuss nach einer Wartezeit von 5 Minuten, im zweiten trank der nicht betroffene Partner zunächst 4 oz (ca. 120 ml) Wasser und küsste dann unmittelbar. Direkt nach dem Kuss wurde Speichel des Zöliakiepatienten gesammelt. Der Glutennachweis im Speichel erfolgte per R5-ELISA, im Urin mittels GlutenDetect (Glutenostics).
Glutennachweis im Speichel – aber meist unter Grenzwert
Im Speichel der nicht betroffenen Partner war Gluten erwartungsgemäß in hoher Konzentration nachweisbar (80 ppm bis >25.000 ppm). Bei den Zöliakiepatienten variierten die im Speichel gemessenen Werte zwischen <5 ppm und 153,9 ppm. Entscheidend: Nur 2 von 20 getesteten Glutenexpositionen lagen oberhalb der Schwelle von 20 ppm, ab der ein Lebensmittel formal nicht mehr als glutenfrei gilt.
Wasser als einfache Schutzmaßnahme
Tranken die nicht betroffenen Partner vor dem Kuss ca. 120 ml Wasser, lag keine einzige Speichelprobe der Zöliakiepartner über dem 20-ppm-Grenzwert. Diese einfache Intervention reduzierte das ohnehin geringe Übertragungsrisiko damit nahezu vollständig.
Fazit – Entwarnung für den Alltag:
Die Studienautoren sehen kein relevant erhöhtes Risiko einer signifikanten Glutenübertragung durch Küssen. Schon eine kurze Wartezeit reicht meist aus, ein Schluck Wasser des nicht betroffenen Partners reduziert die Exposition zusätzlich. Diese Erkenntnisse sollten in die Patientenberatung einfließen – sie können einen Teil der psychosozialen Belastung nehmen, die viele Zöliakiebetroffene durch die ständige Sorge vor Glutenkontakt im Alltag erleben.


