Mehr Eigenverantwortung gefragtVollkasko war gestern: CDU-Politiker will Selbstbeteiligung im Gesundheitswesen

Die Kosten im Gesundheitswesen steigen rasant. Virologe und CDU-Gesundheitspolitiker Hendrik Streeck fordert eine sozialverträgliche Selbstbeteiligung von Patient. Ziel sei es, unnötige Arztbesuche zu reduzieren und Prävention zu fördern. Ohne Reform drohen laut Streeck bald Beitragssätze über 20%.

Hendrik Schreek (CDU)
dpaMichael Kappeler/dpa
CDU-Politiker Hendrik Streeck fordert eine Selbstbeteiligung im Gesundheitswesen als Antwort auf steigende Kosten und überfüllte Praxen.

Der CDU-Politiker Hendrik Streeck fordert eine Selbstbeteiligung von Patientinnen und Patienten, um Kosten im Gesundheitswesen zu senken. «Hier kann eine moderate, sozialverträgliche Selbstbeteiligung helfen, Bagatellbesuche zu reduzieren», sagte der Gesundheitsexperte der «Rheinischen Post». «Es geht nicht darum, Versorgung einzuschränken. Es geht darum, die notwendigen Leistungen für alle zu sichern», sagte Streeck, der in der Corona-Pandemie als Virologe bundesweit bekannt wurde. Eine kluge Selbstbeteiligung könne sogar einen positiven Anreiz setzen für Prävention und eine gesunde Lebensführung. 

Kostenexplosion: Krankenkassen am Limit

Die Zahlen der Krankenversicherung ließen keinen Raum für Beschönigung, sagte Streeck. Allein 2024 habe das Defizit der gesetzlichen Krankenversicherung bei über 6 Milliarden Euro gelegen. Die Rücklagen reichten gerade noch für etwas mehr als 2 Tage Versorgung. Zugleich stiegen die Beitragssätze kontinuierlich, aktuell bereits auf über 17%. «Ohne entschlossene Gegenmaßnahmen drohen wir die 20-%-Marke zu überschreiten», warnte der CDU-Politiker, der auch Sucht- und Drogenbeauftragter der Bundesregierung ist. 

Vollkasko-Mentalität unter Druck

«Nicht alles, was medizinisch möglich ist, ist auch sinnvoll», betonte Streeck weiter. «Jede überflüssige Maßnahme geht auf Kosten derer, die diese Kapazitäten dringend brauchen. Ein Blick nach Europa zeigt: Während Menschen in Dänemark im Schnitt viermal und in Frankreich fünfmal pro Jahr zum Arzt gehen, suchen Deutsche im Durchschnitt zehnmal pro Jahr eine Praxis auf. Das ist zu viel, oft unnötig – und es belastet das System enorm.»

Streeck mahnte: «Wir müssen uns von einer unsolidarischen Vollkasko-Mentalität verabschieden. Gesundheit ist keine All-inclusive-Dienstleistung des Staates. Wer mit einer Erkältung die Notaufnahme blockiert, darf nicht erwarten, sofort die gesamte Palette an Hightech-Diagnostik zu beanspruchen.»