Comeback der Praxisgebühr?Arbeitgeberverbände fordern Kontaktgebühr beim Arztbesuch

Die Rückkehr einer umstrittenen Idee: Als Mittel gegen steigende Krankenkassenbeiträge fordern Arbeitgeberverbände eine neue Kontaktgebühr für Arztbesuche.  Ziel sei es, unnötige Arzttermine zu vermeiden und die Ausgaben im Gesundheitssystem zu senken. Doch der Vorschlag sorgt für Diskussionen.

Steffen Kampeter, Hauptgeschäftsführer der Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände (BDA)
dpaMichael Kappeler/dpa
Aus Sicht der Arbeitgeber wäre eine Art Neuauflage aber eine Möglichkeit, Krankenversicherungsbeiträge zu stabilisieren, das betont Steffen Kampeter (BDA) im Rahmen einer Pressekonferenz.

Angesichts steigender Zusatzbeiträge bei den Krankenkassen schlägt der Geschäftsführer der Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände, Steffen Kampeter, eine Kontaktgebühr beim Arztbesuch vor. «Wir Arbeitgeber wollen, dass die Krankenversicherungsbeiträge endlich stabil werden. Das bedeutet aber, wir brauchen auch geringere Ausgaben. So kann eine Kontaktgebühr eine stärkere Patientensteuerung herbeiführen», sagte er im «Berlin Playbook»-Podcast von «Politico». Die Arbeitgeber zahlen wie die Versicherten die Krankenkassenbeiträge mit.

Kontaktgebühr statt Ärzte-Hopping

Man brauche keine unnützen Arztbesuche, sondern solche, die Kranken helfen, gesund zu werden. Anders als bei der ehemaligen Praxisgebühr, bei der von 2004 bis 2012 beim ersten Arztbesuch im Quartal 10 Euro fällig wurden, würde die Kontaktgebühr bei jedem Besuch anfallen, hieß es im Podcast. «Mir geht es nicht primär um die Einnahmen, sondern darum, Ärzte-Hopping zu begrenzen», wird Kampeter zitiert.

Sozialstaat unter Druck

Der Sozialstaat sei in den vergangenen Jahren deutlich stärker gewachsen als die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit des Landes, warnt der BDA-Geschäftsführer: «Der Sozialstaat ist quasi insolvent.»

Der Bundesrechnungshof hatte zuletzt in einem Bericht an den Haushaltsausschuss des Bundestags vorausgesagt, dass nach einem Rekordwachstum bei den Ausgaben im vergangenen Jahr auch künftig die Einnahmen der Krankenkassen durchgängig unter den Ausgaben bleiben würden. Das jährliche Milliardendefizit hätte «einen Anstieg des durchschnittlichen Zusatzbeitragssatzes von 0,3 Beitragssatzpunkten pro Jahr» zur Folge.