
Das Urteil von Stiftung Warentest: Ein guter Symptom-Checker zur ersten Orientierung ist besser als eine Internet-Recherche.
Berlin (dpa/tmn) – Mit 5 fiktiven Modellfällen haben die Testerinnen und Tester digitalen Angebote zur Abfrage von Symptomen getestet: So sollten die Symptom-Checker unter anderem einen Bandscheibenvorfall, eine Angina pectoris und eine Depression erkennen. Für die fachliche Expertise holten die Warentester entsprechende Fachärzte bzw. eine Psychotherapeutin mit ins Boot.
Große qualitative Unerschiede
Bei der Treffsicherheit der Verdachtsdiagnosen gibt es große Unterschiede. Die Symptom-Checker «Ada» und «Symptomate» liefern verlässliche Ergebnisse – und sind beide mit der Note 1,9 («gut») auch insgesamt die Testsieger.
Andere Angebote können die Testerinnen und Tester deutlich weniger überzeugen. Punktabzug gibt es unter anderem für Angebote, die eine lange Liste von Verdachtsdiagnosen ohne Priorisierung liefern. «So viel Auswahl hilft dem durchschnittlichen Ratsuchenden wenig», schreiben die Warentester. Sie kann allenfalls Patienten nutzen, die woanders keine Hilfe gefunden haben.
Ein Symptom-Checker rasselt sogar mit der Note «mangelhaft» durch. Auf die Schilderung von depressiven Symptomen – inklusive Suizidgedanken – lautet dessen Antwort nämlich: «Das habe ich nicht ganz verstanden.» Derselbe Symptom-Checker schürt im Test bei Symptomen einer Blasenentzündung unnötige Panik und rät zum Arztbesuch innerhalb von 4 Stunden. Dabei ist das gar nicht notwendig.
Sonderfall Patienten-Navi
Rasch zum Arzt: Gibt der Symptom-Checker diese Empfehlung, ist oft die Hürde, zeitnah einen Termin zu bekommen. Ein Symptom-Checker im Test bietet für dieses Problem Abhilfe: das «Patienten-Navi» der Kassenärztlichen Bundesvereinigung.
Im Test liegt dieses Angebot zwar nur im Mittelfeld, weil es der Stiftung Warentest zu zurückhaltend mit Verdachtsdiagnosen ist. Es kann Kassenpatientinnen und -patienten aber schneller zu einem Arzttermin verhelfen – und zwar dann, wenn der Symptom-Checker einer Behandlung innerhalb von 24 Stunden empfiehlt.
Dann leitet das «Patienten-Navi» Nutzerinnen und Nutzer weiter zu einer bevorzugten Terminbuchung bei einem Haus- oder Facharzt. Dort kann man sich einen Akuttermin holen - online, teils aber auch nur telefonisch.
Wie gut dieser Service tatsächlich funktioniert, haben die Warentester zwar nicht systematisch geprüft, aber immerhin stichprobenartig. «Im Test bekamen wir in Städten und teils auch auf dem Land kurzfristig Termine, oft noch am selben Tag», heißt es. Sie finden: Ein Versuch unter patientennavi.116117.de lohnt sich.
Vorteile gegenüber Dr. Suchmaschine
Bleibt die Frage: Ist es überhaupt sinnvoll, die eigenen Symptome durch eine App zu jagen? Ja, lautet das «Stiftung Warentest»-Fazit. Auch wenn das den Arztbesuch nicht ersetzt: «Ein guter Dienst ist zur ersten Orientierung besser als eine Google-Recherche - und kann Patienten zeitig zum Arzt lotsen.» (Stiftung Warentest 03/2025)
Übrigens: Gerade bei psychischen Erkrankungen können Symptom-Checker sinnvoll sein, so der Hausarzt Jens Lassen in der Zeitschrift. Ohne die Empfehlung der App hätten Betroffene womöglich größere Scheu, zum Arzt zu gehen.