
Große Wissenslücken, schlechte Prognose – so in etwa lässt sich der Status Quo zum Blinddarmkrebs zusammenfassen. Das Appendixkarzinom ist eine sehr seltene Krebserkrankung, die etwa einen von 500.000 Menschen trifft. Bei bis zu einem von 2 Patienten werden Metastasen entdeckt, und die 5-Jahres-Überlebensraten variieren zwischen 10 und 63%.
Standardisierte Screening-Richtlinien gibt es ebenso wenig wie Tumorklassifizierungen, obwohl auch Blinddarmtumore keine einzelne Entität sind. Zudem sind bis heute keine Risikofaktoren für das Appendixkarzinom bekannt.
Sechs Forschungsschwerpunkte identifiziert
Die US-amerikanische Appendix Cancer Pseudomyxoma Peritonei (ACPMP) Research Foundation geht das Problem nun mit einem Forschungsfahrplan an. Unter der Devise „Forschung ist für die betroffenen Patienten von entscheidender Bedeutung“ hat ein Think Tank der Stiftung 6 Forschungsschwerpunkte identifiziert, um ein grundlegendes Verständnis von Blinddarmtumoren, ihrer Karzinogenese und Metastasierung zu erreichen und die Behandlungsergebnisse zu verbessern. Die Empfehlungen umfassen folgende Handlungsfelder:
- Verfeinerung der histopathologischen Klassifizierung, u.a. mithilfe von computergestützten Ansätzen
- molekulare Charakterisierung von Blinddarmtumoren
- Definition der Mikroumgebung von Blinddarmtumoren
- Entwicklung krankheitsspezifischer Modelle, etwa patienteneigene Organoide
- klinische Studien zu Blinddarmtumoren
- Bevölkerungsstudien, um potenzielle Risikofaktoren und/oder Belastungen im Zusammenhang mit Blinddarmtumoren zu identifizieren
ACPMP will Ressourcen bereitstellen
„Basierend auf diesen 6 Forschungsbereichen definieren wir den ersten Forschungsrahmen für Blinddarmtumoren ‚Von Zellen zur Gesellschaft‘“, schreiben die Wissenschaftler um Prof. Andreana Holowatyj, Nashville (Tennessee, USA). Mit dem Forschungsfahrplan wolle man „kollaborative und umwälzende Forschungsentdeckungen“ vorantreiben, die letztlich zu Verbesserungen bei der Krankheitserkennung, Diagnose, Behandlung und den Ergebnissen für die Patienten führten.
Andreana Holowatyj hatte als Vorsitzende des wissenschaftlichen Beirats der ACPMP Research Foundation hatte Ende 2023 den 20-köpfigen Think Tank geleitet, der die Empfehlungen ausgearbeitet hat. Die ACPMP Research Foundation will nach eigenen Angaben die notwendigen Mittel und Ressourcen bereitstellen, um die jetzt angestoßene Forschungsinitiative auf diesem bislang unterfinanzierten Forschungsfeld voranzutreiben.
Quelle: Holowatyj A et al. Nat Rev Cancer 2025 Feb 20. DOI: 10.1038/s41568-024-00788-2


