Selbstverteidigung für KlinikpersonalGewalt im Krankenhaus: Mit Deeskalationstrainings gegensteuern

Verbale und auch körperliche Angriffe auf Klinikpersonal werden immer häufiger, Übergriffe auf Stationen oder in den Notaufnahmen sind keine Seltenheit mehr – die DRK Kliniken Berlin reagieren darauf jetzt mit regelmäßigen Deeskalationstrainings des Klinikpersonals. Mit Erfolg! Eine interne Umfrage zeigt: Das Sicherheitsgefühl der Teilnehmenden steigt deutlich.

Die DRK Kliniken Berlin haben Selbstverteidigung mit in den Lehrplan aufgenommen.
Maximilian Specht/dpa-Zentralbild
Übergriffe auf Stationen oder in den Notaufnahmen sind keine Seltenheit mehr. Die DRK Kliniken Berlin haben daher Selbstverteidigung mit in den Lehrplan aufgenommen. Die Mitarbeiter können hier Griffe zur Selbstverteidigung üben.

Berlin (dpa/bb) – Deeskalationstrainings in Krankenhäusern der DRK Kliniken führen bei Pflegekräften und Ärzten zu einem deutlich sicheren Umgang mit aufgebrachten Patienten oder Angehörigen. Wie eine Umfrage unter den Teilnehmerinnen und Teilnehmern der Schulungen ergab, hat sich das Sicherheitsempfinden nach einem halben Jahr stark verbessert. 

93% fühlen sich jetzt sicher im Umgang mit aggressiven Situationen

Die Teilnehmer werden alle 3 Monate danach befragt, wie sie ihr aktuelles Sicherheitsgefühl im Umgang mit Angehörigen auf einer Skala von 1 (sehr gering) bis 10 (sehr hoch) einschätzen, wie die DRK in einer Mitteilung erklärte. Vor Beginn der Trainings hätten nur 60% angegeben, ein hohes Sicherheitsgefühl zu haben (6 Punkte und mehr), nach einem halben Jahr sei der Anteil auf 93% gestiegen. Der Anteil der Menschen, die sich in einer bedrohlichen Situation als kompetent wahrnehmen (6 Punkte und höher), sei im Verlauf des Trainings von 27 auf 92% gestiegen.

Angriffe werden von Jahr zu Jahr mehr

«Die Zahl von Angriffen gegen Mitarbeitende in Krankenhäusern steigt seit Jahren», sagte Trainer Danièl Lautenschlag laut Mitteilung. «Indem wir bei den DRK Kliniken Berlin regelmäßig mit den Beschäftigten trainieren, festigen sich bestimmte Handgriffe, die im Ernstfall in Sekundenbruchteilen abgerufen werden können.»

Wegen der guten Ergebnisse haben die DRK Kliniken entschieden, die Trainings zur körperlichen Deeskalation fortzusetzen. Derzeit nähmen rund 200 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sowie Auszubildende teil. 

194 Angriffe, Drohungen und Übergriffe

Angriffe und Drohungen gegen Sanitäter und Pflegekräfte haben in den vergangenen Jahren stark zugenommen. Im Jahr 2023 registrierte die Berliner Polizei 194 Angriffe, Drohungen und Übergriffe gegen Sanitäter oder Pflegekräfte. 2022 waren es noch 162 solcher Taten.