
Hohe Müllproduktion durch zu viele Einwegprodukte
Bei einer Endoskopie werden miniaturisierte Kameras und Instrumente mittels flexibler oder starrer Systeme in die zu untersuchenden Hohlräume eingeführt – entweder durch natürliche Körperöffnungen wie Mund, Nase oder After oder durch künstlich geschaffene Zugänge, etwa kleine Bauchschnitte. „Viele der dabei verwendeten Instrumente sind Einwegprodukte“, sagt Prof. Dr. med. Martin Götz, Chefarzt der Medizinischen Klinik - Gastroenterologie und Onkologie am Klinikum Böblingen. Auch OP-Kittel, -Hauben, - Überschuhe und andere Textilien seien in der Regel nur für den einmaligen Gebrauch gedacht. „Pro Patient und Tag fallen so rund drei Kilogramm Müll an“, erläutert Götz, der die Sektion Endoskopie der DGVS leitet.
Ziel: Sparsamerer Materialeinsatz
Ein wichtiger Fokus auf dem Weg hin zu einer grüneren Endoskopie müsse daher auf der Müllvermeidung liegen. Insgesamt sollte ein sparsamerer Materialeinsatz angestrebt werden. Zudem sollte diskutiert werden, wo immer es die Hygienevorschriften erlauben würden, auf wiederverwendbare Produkte umzustellen. Eine intelligente Vorratshaltung könne zudem dazu beitragen, Entsorgungen aufgrund überschrittener Haltbarkeitsdaten zu vermeiden. „Dabei möchten wir auch den Dialog mit den Herstellern suchen“, sagt Götz – diese könnten zum Beispiel über sparsamere und besser recycelbare Umverpackungen zur Reduktion des Müllaufkommens beitragen. Von politischer Seite wünscht er sich zudem weniger strenge Vorgaben zum Recycling. Denn bislang gelten selbst Umverpackungen oft als kontaminiert und dürfen nicht dem normalen Recyclingprozess zugeführt werden.
Grüne Endoskopie funktioniert nur in grünem Krankenhaus
Dass endoskopische Untersuchungen und Eingriffe nicht im luftleeren Raum stattfinden, betont auch Professor Dr. med. Helmut Messmann, Sekretär der Sektion Endoskopie der DGVS und Past President der European Society of Gastrointestinal Endoscopy (ESGE). „Letztlich ist eine grüne Endoskopie nur denkbar, wenn sie in ein grünes Krankenhaus eingebettet ist“, betont der Direktor der III. Medizinischen Klinik und Leiter des Darmkrebszentrums am Universitätsklinikum Augsburg, der als Präsident der ESGE ein Positionspapier für eine umweltfreundlichere Endoskopie publiziert hat. Hier kämen Aspekte ins Spiel wie „Womit heize ich und aus welchen Quellen kommt mein Strom?“, die in der Hand der Klinikleitung lägen. Auch relativ einfache, sofort umsetzbare Maßnahmen wie das Herunterfahren von Computern über Nacht, um Strom zu sparen, ein sparsamerer Umgang mit Wasser oder der Verzicht auf das Ausdrucken von Befunden beträfen nicht ausschließlich die Endoskopie. Weitere Punkte in dem Positionspapier zur Nachhaltigkeit in der Endoskopie, das im vergangenen Jahr in der Fachzeitschrift „Endoscopy“ online veröffentlicht wurde, befassen sich mit so vielfältigen Maßnahmen wie der Wahl des Narkosemittels (mit dem Ziel eines möglichst weitgehenden Verzichts auf klimawirksame Narkosegase), mit umweltschonenden Transportwegen, dem Einsatz von Telemedizin, einer verstärkten Forschung zu Nachhaltigkeitsthemen sowie der Aufnahme dieser Themen in die Ausbildung von ärztlichem und nicht-ärztlichem Personal.
Anzahl der durchgeführten Endoskopien muss auf den Prüfstand gestellt werden
Nicht zuletzt muss jedoch auch die Zahl der durchgeführten Endoskopien auf den Prüfstand gestellt werden. „In Studien hat sich gezeigt, dass gerade manche Kontroll-Endoskopien keinen Zusatznutzen bringen und somit verzichtbar sein können“, sagt PD Dr. med. Birgit Terjung, Ärztliche Direktorin der GFO Kliniken Bonn und Mediensprecherin der DGVS. Bei manchen Krankheitsbildern – etwa bei Darmpolypen oder einem Barrett-Ösophagus – könnten künftig bis zu 20 Prozent der endoskopischen Untersuchungen eingespart werden, wenn nach den aktuellen Empfehlungen der ESGE behandelt werde, die die neuen Studienergebnisse berücksichtigen.
Generell sollten die Bemühungen dahin gehen, schnell und präzise zu diagnostizieren und dann zielgerichtet zu therapieren, betont auch DGVS-Kongresspräsident Götz. Wenn eng an den Empfehlungen der Leitlinien entlang untersucht und behandelt werde, komme das sowohl den Patientinnen und Patienten, als auch der Umwelt zugute. „Mit anderen Worten: Nachhaltigkeit ist, wenn man einfach eine gute Medizin macht.


