Viszeraler Schmerz trifft tieferWie Bauchweh Empathie besonders verstärkt

Nicht jeder Schmerz fühlt sich gleich an – seine Art prägt unser Empfinden. Innere Schmerzen wie Bauchweh empfinden wir nicht nur selbst intensiver, sie verstärken auch unser Mitgefühl für andere, vor allem für nahestehende Menschen. Eine Studie der Ruhr-Universität Bochum zeigt, wie stark dieser Effekt wirklich ist.

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Viszeraler Schmerz wie Bauchweh löst den stärksten Empathie-Effekt aus – besonders bei vertrauten Personen.

Das Team um Dr. Milena Pertz aus der Abteilung für Medizinische Psychologie und Medizinische Soziologie schloss 30 gesunde Personen in die Studie ein, die alle seit mindestens drei Monaten in einer festen Beziehung waren. Die Studie wurde an vier Tagen durchgeführt.

Am ersten Tag ermittelten die Forschenden mit Fragebögen und Aufgaben die grundsätzliche Empathie der Teilnehmenden. Am zweiten Tag unterzogen sich die Teilnehmenden verschiedenen Schmerzerfahrungen durch einen Hitzeschmerz, der auf die Haut des Unterbauchs gegeben wurde, und einen inneren Bauchschmerz, der durch Druck ausgelöst wurde. Diese Schmerzen bewerteten die Probandinnen und Probanden aus ihrer eigenen Perspektive, aus der Perspektive ihrer/ihres Partner*in und einer unbekannten Person. Sechs Tage später wurden sie gebeten, sich die Schmerzerfahrung für sich selbst, ihren/ihre Partner*in und eine unbekannte Person nochmals vorzustellen. Die Forschenden ermittelten, als wie unangenehm die Teilnehmenden den Schmerz bewerteten, wie aufgewühlt sie sich durch die Vorstellung fühlten und wie viel Mitgefühl sie empfanden. Zwei weitere Tage später wurde abschließend online erfragt, wie die empathische Reaktion in der Erinnerung an die Schmerzerfahrung ausfiel.

Viszerale Reize rufen die intensivsten Empathiereaktionen hervor

„Die Studie zeigt, dass innere, sogenannte viszerale Schmerzen stärkere kognitive, affektive und empathische Reaktionen hervorrufen als Schmerzen, die von außen kommen, sowohl aus der eigenen Perspektive als auch, wenn die Teilnehmenden sich die Schmerzreize für andere Personen vorstellten“, berichtet Milena Pertz. Die Teilnehmenden bewerteten die viszeralen Schmerzen als intensiver und unangenehmer als den Hitzeschmerz und empfanden mehr Mitgefühl und persönliche Betroffenheit. Das gilt sowohl bei eigener Erfahrung als auch bei der Vorstellung, der/die Partner*in oder eine unbekannte Person erlitten diese Schmerzen. „Der Effekt war am stärksten, wenn die Perspektive des Partners oder der Partnerin eingenommen wurde“, so Milena Pertz. „Auch in der Erinnerung acht Tage nach dem Erleben des Schmerzes, blieb dieser Unterschied erhalten.“

Die Ergebnisse helfen zu verstehen, wie innere körperliche Bedrohungen psychosoziale Prozesse beeinflussen. Die Studie ebnet auch den Weg für zukünftige Forschungen zu Vorhersagefaktoren für empathische Reaktionen sowohl bei Patientinnen und Patienten mit Schmerzen als auch bei Menschen, die sich um diese kümmern. Dazu gehören Bezugspersonen, Pflegekräfte und medizinisches Fachpersonal.

Originalpublikation:  Pertz M et al. Pain modality shapes empathy: Amplified empathic responses for visceral compared to somatic pain. The Journal of Pain 2025; DOI: 10.1016/j.jpain.2025.105631

Quelle: Ruhr-Universität Bochum