Intervallfasten überschätzt?Neue Analyse dämpft Erwartungen an den Diättrend

Aktuelle Studiendaten deuten darauf hin, dass Intervallfasten beim Abnehmen kaum besser wirkt als traditionelle Diäten. Entscheidend bleibt die Methode, die Patienten langfristig durchhalten – idealerweise mit ärztlicher Begleitung.

Eine Person misst ihren Taillenumfang mit einem gelben Maßband.
Pia Bayer/dpa/dpa-tmn
Neue Cochrane-Daten zeigen: Intervallfasten führt beim Abnehmen meist nicht zu besseren Ergebnissen als herkömmliche Diäten.

Intervallfasten ist womöglich weniger effektiv als von vielen Menschen angenommen, dies legen Ergebnisse einer aktuellen Cochrane-Analyse nahe. Bei Erwachsenen mit Übergewicht oder Adipositas liege der damit erzielte Gewichtsverlust wahrscheinlich nicht über dem anderer Diätformen. «Es handelt sich dabei bislang nur um Hinweise, nicht um einen Beweis – das heißt, wir können die Wirksamkeit von Intervallfasten noch nicht mit ausreichender Sicherheit beurteilen», erklärte Prof. Jörg Meerpohl, Freiburg, Direktor von Cochrane Deutschland, der selbst nicht an der Arbeit beteiligt war.

Für die Analyse berücksichtigte das Team um Dr. Luis Garegnani, Buenos Aires (Argentinien), 22 Studien mit insgesamt knapp 2.000 Teilnehmern aus Nordamerika, Europa, China, Australien und Südamerika. Geprüft werden sollte, ob Intervallfasten für Erwachsene mit Übergewicht oder Adipositas wirksamer zur Gewichtsreduktion als herkömmliche Diätempfehlungen ist und wie es sich auf die Lebensqualität auswirkt.

Sie wollen es ganz genau wissen? Hier geht es direkt zum Cochrane-Review …

Garegnani L et al. Cochrane Database Syst Rev 2026 Feb 16: 2: CD015610. DOI: 10.1002/14651858.CD015610.pub2

Kaum Zusatznutzen: Was Fastenformen tatsächlich leisten

Intervallfasten zeigte demnach keinen besseren oder nur einen sehr geringfügig besseren Effekt bei der Gewichtsabnahme als andere Methoden. Auch eine merkliche Verbesserung der Lebensqualität ließ sich nicht nachweisen. «Intermittierendes Fasten mag für manche Menschen eine sinnvolle Option sein, doch die derzeitige Studienlage rechtfertigt nicht die Begeisterung, die wir in den sozialen Medien beobachten», erklärte Garegnani.

Nach Daten der Weltgesundheitsorganisation (WHO) waren im Jahr 2022 rund 2,5 Milliarden Menschen auf der Welt übergewichtig, das entspricht 43% der Menschen ab 18 Jahren. Von ihnen waren 890 Millionen – 16 Prozent aller Erwachsenen – adipös.

«Gewichtsverlust bleibt die wichtigste Strategie zur Reduzierung der gesundheitlichen Risiken und gesellschaftlichen Folgen von Übergewicht und Adipositas», heißt es in der Cochrane-Analyse. Eine allgemeine Empfehlung für eine bestimmte Maßnahme auszusprechen, sei aufgrund der aktuellen Studienlage aber schwierig, sagte Mitautorin Dr. Eva Madrid, Valparaíso (Chile).

Ergebnis war nicht ganz unerwartet

Auch vorherige Meta-Analysen hätten übereinstimmend keinen besonderen Vorteil von Intervallfasten gegenüber vergleichbaren Diätinterventionen ermittelt, erklärte Dr. Stefan Kabisch, Berlin; wie Meerpohl ist er keiner der Autoren der Cochrane-Studie. Eine merkliche Gewichtsabnahme habe sich in der Regel nur im Vergleich zu gar keiner Ernährungsumstellung ergeben.

Experten sehen Trend kritisch

Die Beweislage bleibe insgesamt unsicher – allein schon, weil es eine große Vielfalt an Intervallfasten-Varianten gebe. Eine Methode ist zum Beispiel, an 8 Stunden des Tages zu essen und die verbleibenden 16 zu fasten (8:16-Methode). Alternativ kann man an 5 Tagen der Woche normal essen und an 2 Tagen weitgehend hungern (5:2-Methode). Beim Alternate Day Fasting (ADF) wiederum wird typischerweise jeden 2. Tag gefastet.

«Die gesamte Studienlage beinhaltet also dutzende Spielarten des Intervallfastens, die man nicht in einen Topf werfen sollte», so Kabisch. «Langzeitdaten, wie Studien von mehr als 2 Jahren Dauer, existieren praktisch gar nicht.» Kleine Teilnehmerzahlen und fehlende Daten seien für Analysen in dem Bereich typisch – selbst die für das Cochrane-Review gewählten Studien wiesen methodische Schwächen auf, die auch genannt würden. 

Klar ist Kabisch zufolge aber: «Der Hype um Intervallfasten war zu keiner Zeit von überzeugenden Humanstudien untermauert, sondern verfrüht bis ungerechtfertigt.»

Auch Prof. Annette Schürmann, Potsdam, weist darauf hin, dass die ausgewählten Studien extrem heterogen seien, unter anderem mit Blick auf die Teilnehmenden und die Fastenformen. Es sei nicht möglich, daraus die klare Aussage abzuleiten, dass Intervallfasten beim Abnehmen generell keinen besseren Effekt habe. Aus Tierstudien sei zudem bekannt, dass Intervallfasten positiv auf den Blutzuckerspiegel wirke.

Fazit

Das sollten Sie Ihren Patienten mit auf den Weg geben

Wer Gewicht verlieren und seine Gesundheit verbessern möchte, kann – am besten ärztlich beraten und begleitet – die selbst bevorzugte Methode wählen. Bestenfalls eine, die man auch langfristig gut durchhalten kann.