Vertrauen missbraucht – Leben beendet?Tödliche Fürsorge? Berliner Arzt wegen 15-fachen Mordes vor Gericht

Ein Palliativmediziner soll schwerstkranke Menschen mit Medikamentencocktails getötet haben – ohne medizinische Notwendigkeit und ohne Zustimmung. Aktuell steht er wegen Mordes in 15 Fällen vor Gericht. Die Ermittlungen laufen weiter.

Gerichtsverfahren für Berliner Palliativarzt
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Gerichtsverhandlung in Berlin: Wegen mutmaßlichen Mordes an 15 Patienten steht aktuell ein Berliner Palliativarzt vor Gericht.

Berlin (dpa) – Unter großem Medien- und Publikumsandrang hat in Berlin der Mordprozess gegen einen Palliativarzt begonnen. Der 40-Jährige soll 15 Patienten im Zeitraum von September 2021 bis Juli 2024 getötet haben (►wir berichteten). Die Staatsanwaltschaft Berlin wirft dem deutschen Arzt Mord aus Heimtücke und sonstigen niedrigen Beweggründen vor. 

Mehr als 15 Opfer? Staatsanwaltschaft prüft weitere Fälle

Ohne «medizinische Indikation und ohne deren Wissen und Zustimmung» soll er 12 Frauen und 3 Männern jeweils ein «tödliches Gemisch verschiedener Medikamente» verabreicht haben. Als erstes und jüngstes Opfer nennt die Anklage eine 25-Jährige, als ältestes eine 87 Jahre alte Frau. Parallel zum Prozess prüft die Staatsanwaltschaft Dutzende Verdachtsfälle. 

Die Anklage gegen den Arzt im Detail

Das Landgericht Berlin hat für das Verfahren zunächst 35 Verhandlungstermine bis zum 28. Januar 2026 geplant. 13 Angehörige von Gestorbenen sind nach Gerichtsangaben als Nebenkläger vertreten. Zu jedem Fall gibt es mehrere Zeugen, insgesamt könnten rund 150 Menschen vor Gericht gehört werden.

Der Mediziner soll die Taten bei seiner Tätigkeit für einen Pflegedienst in Berlin begangen haben. Palliativärzte begleiten schwerstkranke Menschen, um deren Schmerzen zu lindern. Der verheiratete Vater eines Kindes hat sich bislang nicht zu den Vorwürfen geäußert, wie es übereinstimmend von Verteidigung und Staatsanwaltschaft heißt.