
Unter dem Namen „Paracetamol Challenge“ führen sich Jugendliche aktuell überdurchschnittlich hohe Mengen an Paracetamol zu und dokumentieren dies in Sozialen Medien wie TikTok, warnt Pharma Deutschland. Ziel ist es, eine möglichst hohe Dosis zu überleben.
Gefährliche Mutprobe
Der Trend kommt ursprünglich aus den USA und verbreitet sich derzeit in Belgien und der Schweiz. Die aktuelle „Paracetamol Challenge“ reiht sich in eine Folge von gefährlichen Mutproben ein, von denen bereits einige tödlich endeten.
Die unterschätzte Gefahr ist der aufgrund der nur langsamen Verstoffwechlsung des Wirkstoffs schleichende Beginn einer Pracetamol-Vergiftung: Paracetamol wird in der Leber vorwiegend über die Konjugation mit Glucuronsäure und Schwefelsäure metabolisiert. Ein geringer Teil wird über Cytochrom P450 CYP2E1 u. a. zu dem hochreaktiven, toxischen N-Acetyl-p-benzochinonimin (NAPQI) metabolisiert. NAPQI wird jedoch bei therapeutischen Dosierungen von Paracetamol durch die Konjugation mit Glutathion unmittelbar inaktiviert und kann daher keinen Leberschaden erzeugen [1].
Bei einer Paracetamolintoxikation ist aufgrund eines relativen Glutathionmangels die Kapazität der Leber zur Konjugation von NAPQI überschritten, sodass dieser toxische Metabolit an hepatozelluläre Proteine binden und so seine zytotoxische Wirkung mit dem Resultat von Leberzellnekrosen entfalten kann [1]. In der Regel treten unsezifische Beschwerden wie Übelkeit, Erbrechen und Schmerzen im Oberbauch, die auf eine Leberschädigung hinweisen, erst 24 bis 48 Stunden nach einer Überdosierung des Arzneimittels auf.
Im Zweifelsfall schnell handeln
Dann kann es für die Anwendung von Acetylcystein bereits zu spät sein. Dieses Antidot ist ein SH-Gruppen-Donator, der die Konjugation von NAPQI auch bei Erschöpfung der endogenen Glutathionreserven ermöglicht. Ob eine spezifische Antidotbehandlung notwendig ist, kann durch das Rumack-Mathew-Nomogramm [2], das die Wahrscheinlichkeit einer Schädigung der Leber angibt, ermittelt werden.
Für die Benutzung des Nomogramms benötigt man allerdings die Konzentrationsbestimmung von Paracetamol im Blut, die in der klinischen Praxis nicht immer zeitnah zur Verfügung steht. Angesichts der Irreversibilität der durch NAPQI verursachte Leberzellnekrose ist bereits beim hinreichenden Verdacht auf eine Paracetamol-Überdosierung die intravenöse Gabe von Acetylcystein indiziert.
Literatur:
1. Wallace CI et al. Emerg Med J 2002; 19: 202–205. DOI: 10.1136/emj.19.3.202
2. Rumack BH et al. Arch Intern Med 1981; 141: 380–385. DOI: 10.1001/archinte.141.3.380
Quellen:
1. AkdÄ Drug Safety Mail 2025-07 vom 11.02.2025
2. Pressemeldung „Pharma Deutschland warnt vor gefährlicher TikTok-Challenge” vom 06.02.2025


